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Robin Hood

Robin Hood ist der Held vieler englischer Volksballaden aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Charakterisiert wird er als Räuberhauptmann, ausgezeichneter Bogenschütze, Wildschütz, Freund der Armen, gläubiger Christ und Verehrer der Jungfrau Maria. Als Person ist Robin Hood historisch nicht einwandfrei nachzuweisen. Falls er tatsächlich gelebt haben sollte, ist er vermutlich im 13. Jahrhundert anzusiedeln. Unstrittig ist hingegen, dass die Balladen um Robin Hood die sozialen Konflikte jener Zeit abbilden und die Dichter diesen literarischen Ausdruck verliehen haben.

Früheste Erwähnung und historische Quellen

In Walter Langlands allegorischem Traumgedicht "The Vision of Piers Plowman", das zwischen 1360 und 1380 entstand, findet sich die früheste bekannte literarische Erwähnung der Legende um Robin Hood. Die Thematisierung dieses Sujets setzt eine bereits bestehende Tradition des Stoffes voraus. Die ältesten, zum Teil jedoch nur fragmentarisch erhaltenen Balladendichtungen datieren vom Ende des 15. und dem Beginn des 16. Jahrhunderts und sind somit erst etwa zweihundert Jahre nach dem Beginn der Legendenbildung schriftlich fixiert worden. In der historischen Forschung werden einzig diese älteren Dichtungen als teilweise verlässliche Quellen angesehen. Die umfangreichste Quelle, die zugleich als ernstzunehmende eingeschätzt wird, ist „The Gest of Robin Hood“ (Die Geschichte von Robin Hood). Zu den weiteren relevanten Dichtungen gehören „Robin Hood and the Monk“ (Robin Hood und der Mönch), „Robin Hood and the Potter“ (Robin Hood und der Töpfer), „Robin Hood’s Death“ (Robin Hoods Tod) und „Robin Hood and the Sheriff“ (Robin Hood und der Sheriff). Alle genannten Geschichten behandeln schwerpunktmäßig verschiedene Aspekte des Stoffes und bilden unterschiedliche Erzähltraditionen ab.

Der Kern der Geschichten um Robin Hood

Durch seinen Beistand für einen verschuldeten Ritter und der sich daraus entwickelnden Freundschaft gerät Robin Hood in einen Konflikt mit dem Abt des Benediktinerklosters St. Mary’s in York. Fortan lebt er geächtet und vogelfrei als Anführer einer Schar Räuber, die verschiedentlich auch als fröhliche Gefährten Bruder Tuck trägt Robin Hood über einen Flussbezeichnet werden. Zu denen mit ausgeprägt eigenständigem Charakter zählen Little John, Will Scarlet – auch Scarlok genannt – und Much, der Sohn eines Müllers. Die frühesten Balladen nennen als Ort der Handlung den Wald von Barnsdale in Yorkshire. Erst später wird diese Angabe durch die Verortung im Sherwood Forest in Nottinghamshire ersetzt. Der Balladenstoff erfährt zudem sukzessive eine Erhöhung der Anzahl der handelnden Personen, wie sie etwa mit Friar Tuck oder Maid Marian gegeben ist. So spielt die zarte Romanze Robin Hoods mit der adligen Dame Marian zu Beginn der Bildung der Legende und in den frühen literarischen Bearbeitungen keinerlei Rolle.

Robin Hood selbst wird durchgängig als Gegenpart einer verhassten Obrigkeit beschrieben. Seine Opfer, die er und seine Gefährten überfallen und ausrauben, wenn sie den Wald durchqueren, entstammen in der Regel dieser Schicht. Sein Widersacher und Gegenspieler, den er fortwährend bekämpft und schließlich tötet, ist der Sheriff von Nottingham, der als der eigentlich schurkische Charakter dargestellt wird. Zu seinen Wesenszügen gehören Habgier, Neid, Feigheit und Selbstsucht, die sich unter anderem im Spinnen von Intrigen zeigen. Dieser Antipode lässt die Gestalt des Robin Hood noch strahlender erscheinen, da zu dessen Wesenszügen Tapferkeit, Selbstlosigkeit, Mitleid und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl zählen. König Edward II. begnadigt Robin Hood letztlich und holt ihn an seinen Hof. Die heutige Forschung geht allgemein davon aus, dass in der Ballade „The Gest of Robin Hood“ die Reise dieses Königs nach Nottingham im Jahre 1323 beschrieben wird. Robin Hood kann seinen Freiheitsdrang und die Sehnsucht nach dem Leben in der Natur allerdings nicht mehr mit dem höfischen Alltag in Einklang bringen. So kehrt er nach nur kurzem Aufenthalt bei Hof zurück in den Wald. Er stirbt etwa zwanzig Jahre später infolge des Verrats durch die Priorin der Abtei von Kirkless, die ihn nach einem Aderlass verbluten lässt.

Zahlreiche Umdichtungen des Stoffes

Die Balladen sind einer großen Zahl an Umdichtungen unterworfen, sie werden weiterentwickelt und mit neuen Details ausgeschmückt. So wird im Laufe der Zeit aus der Darstellung eines Straßenräubers einfacher Herkunft, der weltliche und geistliche Herren zum Teil mit brutalen Mitteln ihrer Habe beraubt, ein Fürsprecher und Kämpfer für die Unterdrückten und Ausgebeuteten. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts verklärt sich das Bild Robin Hoods vollends zum ausschließlich Positiven. Robin Hood wird nun als angelsächsischer Adliger dargestellt, der gegen die normannische Herrschaft kämpft. 1521 findet König Richard I., der den Beinamen Löwenherz trägt, als Freund Robin Hoods Eingang in diverse Balladen und übernimmt die Funktion, die zuvor König Edward II. innehatte. Ab dem 16. Jahrhundert wird Robin Hood zu einem Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, dessen edle Gesinnung sich darin zeigt, dass er die Reichen beraubt und das von diesen erbeutete Gut an die Armen verteilt. Diese Umverteilung des Vermögens ist in den frühesten Versionen der Legende nicht gegeben. Das Interesse an der Figur Robin Hood ist bis in die heutige Zeit ungebrochen. Die hohe Popularität zeigt sich in der Veröffentlichung zahlreicher Romane, Kinderbuchversionen und Verfilmungen des Stoffes.

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