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Mittelalterliche Stadttypen

Mittelalterliche Städte können anhand verschiedener Kriterien unterschiedlichen Typen zugeordnet werden. Innerhalb dieser Typen bilden sie Vor-, Voll- und Übergangsformen sowie verkümmerte Formen. Ein historisch-genetischer Stadttyp lässt sich aus seiner Hauptfunktion ableiten. Die Geschichtswissenschaft differenziert hier in mono- und polyfunktionale Stadttypen. Historisch-genetische Stadttypen entwickelten sich im Zusammenhang mit Gesellschaft, Wirtschaft und politischen Organisationsformen. Insgesamt fußte die Entwicklung des Städtewesens in Europa auf den griechischen und römischen Vorläufern.

Die Bürgerstadt als die Hochform des europäischen Mittelalters entwickelte und zeigte sich unter den Bedingungen des mittelalterlichen Territorialstaates vor allem bei Fernhandelssiedlungen. Ihre Existenzgrundlagen waren Handel und Gewerbe. Bürgerstädte kamen jedoch auch im Bereich der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung vor, wo sie als technische Kolonialstädte fungierten. Historisch-genetische Stadttypen waren komplexe Gebilde, da sie eine polyfunktionale Ausrichtung mit wechselnder Hauptrichtung mit einem historischen Entwicklungstyp verbanden. Eine Gruppierung nach der Einwohnerzahl in Metropolen, Großstädte, Mittelstädte, Kleinstädte, Landstädte und Zwergstädte impliziert Unterschiede vor allem in der zentralen Bedeutung. So konnte eine Landstadt beispielsweise eine Kleinstadt mit ländlichen Merkmalen oder auch eine Ackerbürgerstadt sein. Die Metropolen hingegen waren weniger durch ihre absolute Einwohnerzahl als vielmehr durch ihre übernationale Wirkung und Verflechtung gekennzeichnet.

Monofunktionale Städte

Das Merkmal einer Stadt an sich ist Vielfalt, von daher waren monofunktionale Städte auch im Mittelalter eher selten. Dieser Stadttyp entstand vor allem dann, wenn beispielsweise das Vorkommen von bestimmten Bodenschätzen nur an dieser Stelle gegeben war oder sich dort in besonders hohem Umfang konzentrierte. So war etwa eine Bergstadt wirtschaftlich und sozial auf die Gewinnung eines Minerals oder Erzes ausgerichtet. Ihre Stadtrechte besaß sie in Form von speziellen Rechten, die als Bergfreiheiten bezeichnet wurden. Verbindungen zum Umland existierten in kaum nennenswertem Ausmaß. Für die Versorgung ihrer Bürger mit allen zum Leben notwendigen Dingen war eine solche Stadt auf anders strukturierte Städte angewiesen. Da monofunktionale Städte von nur einer Hauptfunktion dominiert wurden, waren sie wesentlich anfälliger für wirtschaftliche Krisen als andere Stadttypen. Dieses Faktum konnte dazu führen, dass ihr Niedergang durch den sukzessiven Abbau der natürlichen Ressourcen eingeleitet wurde.

Polyfunktionale Städte

Polyfunktionale Städte waren durch eine Reihe von notwendigen allgemeinen Funktionen gekennzeichnet, zu denen besondere hinzukamen. Solche Städte wurden zumeist nach ihrer dominierenden Funktion benannt. Diese musste in ihrer Wirkung nicht unbedingt auf das eigentliche Umland oder Einflussgebiet beschränkt sein, sondern konnte weiter ausgreifen und die Lebensverhältnisse der Stadtbewohner spezifisch prägen. Polyfunktionale Städte zeigten in ihrer Beziehung zum Umland und zu den dortigen Märkten eine besondere gewerbliche Ausrichtung mit von Stadt zu Stadt wechselnden Schwerpunkten. Die Hauptfunktion richtete nicht nur die städtische Gesellschaft entsprechend aus, sondern beanspruchte auch relativ viel Fläche und beeinflusste damit die Stadtlandschaft. Ein Wechsel der Ausrichtung schlug sich im Umbau des gesamten Stadtkörpers nieder wie beispielsweise bei einem Umbau von einer Burg- zur Residenzstadt. Ebenso wie für monofunktionale Städte gilt hier, dass wirtschaftliche Krisen eine Stadt umso härter trafen, je abhängiger sie von ihrer Hauptfunktion war. Allerdings verfügten die polyfunktionalen Städte aufgrund ihrer höheren Zahl an Funktionen über deutlich bessere Möglichkeiten, diese zu überstehen.

Städte mit Schwerpunkt Wirtschaft und Verkehr

Zu den Städten, deren Funktionstypen den Bereichen Wirtschaft und Verkehr zuzuordnen sind, gehörten alle Formen von Handelsstädten. Dazu zählten Fernhandels-, Hafen- und Messestädte. Einige Städte fungierten als sogenannte Etappenstädte, deren Hauptfunktion darin zu sehen ist, dass sie als Zwischenstationen für den Fernverkehr genutzt wurden. Die frühmittelalterlichen Vorläufer der Handelsstädte haben sich häufig aus Marktstädten gebildet, die sich ihrerseits aus zu Städten aufgestiegenen Marktorten entwickelt haben. Sie gehörten zu den Landstädten, die zwar eine günstige, relativ zentrale Lage aufwiesen, jedoch kaum Einflussmöglichkeiten auf politische oder gesellschaftliche Entwicklungen hatten. Hier traten zwar oft Spezialisierungen bezüglich der Häufung bestimmter Gewerbe auf, diese führten jedoch nicht zur Etablierung einer machtvollen Stadtposition, da der Handel als Akkumulationsort für die Bildung von Vermögen und daraus resultierendem gesellschaftspolitischen Einfluss fehlte.

Städte mit Schwerpunkt Politik und Verwaltung

Zu dieser Kategorie gehörten Haupt-, Residenz- und Provinzhauptstädte sowie Amtsstädte, die hauptsächlich zivile Aufgaben erfüllten, ebenso wie Burg- und Festungsstädte, die in erster Linie militärischen Zwecken dienten. Diesen Städten wurden ihre Aufgaben von staatlichen Entscheidungsträgern zugewiesen. Sie waren von daher abhängig von politischen Zuständen und strategischen Entscheidungen. Erst im Spätmittelalter entwickelte sich die Hauptstadt als Stadttyp, die nun als politisches und administratives Zentrum der feste Standort des jeweiligen Herrschers wurde. Zu diesem Stadttyp zählten auch die zahlreichen Residenzstädte, die durch ausgeprägte Hofhaltung gekennzeichnet waren und auf diese Weise ihre politische Macht demonstrierten. Dabei installierten die geistlichen Fürsten bereits dauerhafte Residenzstädte, als die weltlichen Herrscher den Aufenthaltsort, von dem aus sie regierten, noch häufig wechselten. Die Festungsstadt als solche entstand bedingt durch die technikgeschichtliche Entwicklung erst im 15. Jahrhundert. Sie erfüllte überwiegend militärische Aufgaben, wies jedoch nicht zwangsläufig eine überwiegend soldatische Bevölkerung auf. Die Festungsstadt war funktional die Nachfolgerin der Burgstadt, sie gewann aber einen eigenen Charakter durch den Flächenbedarf, den die um sie errichteten Gräben und Wälle benötigten.

Städte mit Schwerpunkt Kultur

Den Bereich Kultur umfassten Tempelstädte, die im Abendland nur als geistliche Städte vorkamen, und Universitätsstädte. Sie waren durch Bildungs- sowie durch kulturelle und kultische Einrichtungen geprägte Stadttypen. Im Verhältnis zu den Städten mit politischen Funktionen war die Bedeutung dieses Stadttyps zwar geringer, aber zugleich auch beständiger. Zu den geistlichen Städten zählten Wallfahrtsorte, Kloster-, Stifts-, Abtei-, Kathedral- und Bischofsstädte. Verließ der Bischof seine Stadt, wurde diese zur Kathedralstadt mit residierendem Domkapitel und behielt so den größten Teil ihrer Bedeutung. Stadtbildende Kräfte gingen im Allgemeinen nur von den Benediktinerabteien aus. Die europäischen Bettelorden bildeten keine Städte, sie siedelten sich in bereits bestehenden Städten an.

Burgstädte

Burgstädte entwickelten sich vor allem unter den Bedingungen des europäischen Feudalsystems. Sie waren durch die Niederlassungen von Kaufleuten und Handwerkern zu Füßen der Burg charakterisiert. Während die antiken Hochkulturen und die Reiche der Reiternomaden (Mongolen, Bulgaren) die zentrale Lage der Burg in der Stadt bevorzugten, lag die Burg in West- und Mitteleuropa am Rand und bildete einen Eckpfeiler der als Großburg fungierenden ummauerten Stadt. Neben diesen Grundformen gab es landschaftlich bedingte und regional geprägte Sonderformen der Burgstädte wie etwa die der Zähringer, die als Verwandte der Stauferkaiser im süddeutschen Raum herrschten.

Ackerbürgerstädte

In den Städten jeder Größenordnung und jeden Typs betrieben die meisten Familien zur Sicherung der Selbstversorgung auch Landwirtschaft. Der Begriff Ackerbürgerstadt bezeichnet jene Städte, die überwiegend agrarisch strukturiert waren. Nahezu alle dieser Städte waren planmäßige Gründungen des Spätmittelalters und entsprangen zumeist der Statusänderung, bei der ehemalige Dörfer zu Städten erhoben wurden.

Städtische Minderformen

Städtische Minderformen bildeten einen Funktionstyp, der wegen des häufigen Fehlens städtischer Merkmale heute als verkümmerte Form von Städten eingestuft wird. Viele davon haben sich wegen des zu geringen wirtschaftlichen Potenzials, des zu kleinen Einzugsgebiets und einer hohen Ansiedlungsdichte von anderen Städten in ihrer Nähe nicht zur Vollform entwickelt. Ein weiterer Grund liegt darin, dass sie zusätzlich häufig nur mit minderen Rechten ausgestattet waren. Diese sogenannten Minderstädte stellten oft landschaftlich typische Formen der Kleinstadt dar.

Verhältnis zum Stadtherrn

Auch die Beziehung der Stadt zu ihrem Stadtherrn hatte einen wesentlichen Einfluss darauf, zu welchem Funktionstyp eine Stadt sich letztlich entwickelte. Nach dem Verhältnis zum Stadtherrn unterschieden sich Reichsstädte, freie Städte, Landstädte und Mediatstädte. Letztere waren solche ohne eigene Gerichtsbarkeit, die sich der Rechtshoheit anderer Städte unterordnen mussten. Die sogenannten Samtstädte nahmen eine Sonderrolle ein, denn sie wurden von mehreren Landesherrn regiert. Als Reichstädte wurden in Deutschland ausschließlich die reichsunmittelbaren Städte bezeichnet, in denen der König anwesend war. Sie erreichten um das Jahr 1500 eine Mitwirkung in den ständigen Reichsgremien. Landstädte standen unter Landesherrschaft, Mediatstädte gehörten zum Lehen eines nicht reichsunmittelbaren Adligen.

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