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Die Stadtentwicklung im Mittelalter

Die Stadtentwicklung im Mittelalter hing von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen spielte die topografische Lage einer Siedlung eine Rolle hinsichtlich der Möglichkeit, dass sie sich zu einer Stadt oder einer Metropole entwickeln konnte. Ein begünstigender Faktor war stets, wenn eine Stadt an der Küste oder an Flüssen lag, über die Handelsrouten verliefen. Zum anderen wirkten sich der Stabilitätsgrad der politischen Verhältnisse sowie auch das Verhandlungsgeschick von Ratsherren bei Bündnissen mit anderen Städten auf die Stadtentwicklung aus. Allerdings kamen jedoch auch Kriterien hinzu, die sich als nahezu unvorhersehbar und kaum steuerbar erwiesen. Dazu zählten der Ausbruch und epidemieartige Verlauf der Pest sowie Zeiten, in denen aufgrund von Missernten oder kriegerischen Auseinandersetzungen eine Hungersnot herrschte. Auch der Anstieg der Industrialisierung der Arbeitsprozesse, der durch Erfindungen und technische Innovationen in Gang gesetzt wurde, beeinflusste die Stadtentwicklung.

Stadtentwicklung im Frühmittelalter

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts waren die italienischen und nordwesteuropäischen Städte aus römischen Gründungen noch von hoher Bedeutung. Sowohl in wirtschaftlicher als auch in administrativer Hinsicht zählten sie zu den wichtigen Zentren geistlicher und weltlicher Macht. Sämtliche bedeutende Städte des Frühmittelalters lagen an Küsten oder an Flüssen. Am Rhein waren dies Köln und Mainz, an der Maas Maastricht und an der Schelde Doornik. Generell galt, dass Städte davon profitierten, wenn sie an verkehrsgünstigen Punkten lagen. Die geografische Lage einer Stadt spielte zusätzlich eine wichtige Rolle hinsichtlich ihrer Verteidigungsfähigkeit. Handel und Gewerbe prägten die Städte. Da im Handel höhere Gewinne erzielt werden konnten als im produzierenden Gewerbe, waren Städte, in denen sich der Handel konzentrierte, nicht nur wirtschaftlich erfolgreicher, sondern auch politisch mächtiger als andere. Im Verlauf des 9. Jahrhunderts entwickelten sich Binnenhäfen und mit ihnen auch zahlreiche Städte. Typische Beispiele für solche Hafenstädte waren Gent an der Schelde oder Dinant an der Maas.

Im Verlauf des 10. Jahrhunderts traten viele dieser Städte in den internationalen Handel ein, wodurch ihre Bedeutung stieg. Die Stadt London etablierte sich als wichtiges Handelszentrum an der Nordsee und war Handelspartner für die Händler Flanderns und aus dem Maastal. Für Südeuropa waren vor allem die italienischen Küstenstädte wie Amalfi und Venedig wichtige urbane Zentren, da sich hier der Handel mit dem Orient konzentrierte. In Nordeuropa hatten die Wikinger erheblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung. Ihre Städtegründungen prägten insbesondere das 10. und 11. Jahrhundert. Zu den wichtigen Städten zählten beispielsweise das in der Nähe des späteren Stockholm gelegene Sigtuna oder das an der Ostküste Jütlands befindliche Schleswig, das an exakt jener Stelle erbaut wurde, an der die ehemals immens wichtige Wikingerstadt Haithabu lag. Der Siedlungsraum der Wikinger erstreckte sich von Nordeuropa über England (Dublin, York) bis nach Osteuropa (Kiew, Nowgorod).

Stadtentwicklung im Hochmittelalter

Die Ausbildung einer städtischen Industrie im 11. Jahrhundert trug entscheidend zur Stadtentwicklung bei. Produkte wurden nun in höheren Stückzahlen hergestellt, sodass ab dem 12. Jahrhundert eine rege internationale Handelstätigkeit in Italien und Nordwesteuropa einsetzte. Die Städte Flanderns, die überwiegend hochwertige Stoffe produzierten und in denen sich zusätzlich der Handel konzentrierte (Gent, Brügge, Arras, Ypern), waren nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch einflussreich. Viele Menschen zogen in diese Städte, um am ökonomischen Erfolg zu partizipieren. Ihr Zuzug führte zu einem rasanten Anstieg der Bevölkerungszahlen dieser Gebiete, die sich im Spätmittelalter weiter fortsetzte. Im Maastal siedelten sich vor allem Manufakturen an, die in hohem Umfang Produkte aus Metall herstellten, was die Städte (Dinant, Huy, Lüttich) einen hervorragenden Status einnehmen ließ. Zu den bedeutenden italienischen Städten zählten neben denen, die seit Jahrhunderten Handel mit dem Nahen Osten trieben wie Venedig, Amalfi und Bari, ab dem 12. Jahrhundert auch Genua und Pisa. Verschiedene Städte im Hinterland wie Florenz, Mailand und Siena gelangten ebenso zu einiger Bedeutung.

Stadtentwicklung im Spätmittelalter

Das 13. Jahrhundert bildete nahezu überall in Europa in demografischer und topografischer Hinsicht den Höhepunkt der Stadtentwicklung. Die größten und bedeutendsten Städte lagen in Italien und Nordwesteuropa. Sie wiesen durchschnittlich mindestens 20.000 bis 30.000 Einwohner auf. Genaue Einwohnerzahlen kann die Geschichtswissenschaft aufgrund mangelhafter Quellenlage nicht angeben, sodass die Zahlen als Schätzwerte zu sehen sind, die anhand verschiedener Kriterien ermittelt wurden. Die mit Abstand größte und wichtigste Stadt des Mittelalters war Paris, das im 13. Jahrhundert bereits gesichert 100.000, vermutlich aber bis zu 200.000 Einwohner aufwies. Die Mehrzahl der bedeutenden italienischen Städte wie Mailand und Florenz zählten annähernd 100.000 Einwohner, waren jedoch nicht so berühmt wie Paris, das als Zentrum von Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur galt. Danach folgten London (50.000 bis 100.000 Einwohner), Gent (64.000), Brügge (42.000), Köln (40.000) und Brüssel (20.000). Auch viele Hansestädte gelangten zu hohem Einfluss. Die wohl mächtigste Stadt des Hansebundes war Lübeck. Unter ihrer Führung agierte die Hanse, deren Mitglieder nicht nur in ökonomischer Hinsicht bedeutsam waren, sondern auch politisch eine Vormachtstellung einnahmen. Ende des 13. Jahrhunderts wuchsen die süddeutschen Städte zu herausragender Bedeutung an. Die prosperierende Stadtentwicklung in Süddeutschland wurde durch zwei neue Handelsrouten begünstigt, die über Land führten. Eine davon verlief von Antwerpen nach Venedig, die andere durch Mittel- und Osteuropa nach Prag und Kiew. Nürnberg profitierte von beiden Routen und erlebte einen Aufschwung zur ökonomischen Hauptstadt im süddeutschen Raum.

Niedergang wichtiger und Aufstieg neuer Städte

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gab es in einigen nordwesteuropäischen Städten eine große Hungersnot, in deren Verlauf die Bevölkerungszahl drastisch sank. Diese Entwicklung wurde durch den Ausbruch der Pest im Jahre 1347 verstärkt, die sich von Italien ausgehend in ganz Europa verbreitete. Die Folge war ein beispielloser Niedergang vieler vormals wichtiger Städte, die zu dieser Zeit in die Bedeutungslosigkeit herabsanken. Einige italienische Städte wie beispielsweise Florenz verloren nahezu die Hälfte ihrer Bevölkerung. Das flämische Ypern, das noch Anfang des 14. Jahrhunderts 30.000 Einwohner zählte, hatte ein Jahrhundert später lediglich noch 10.000 Einwohner. Allerdings spielte im Falle Yperns ein weiterer Faktor eine Rolle für den Bevölkerungsrückgang. Neben Hungersnot und Pestepidemie kam hier noch erschwerend der Niedergang der dortigen Tuchindustrie hinzu. Andere Städte gewannen dagegen an Einfluss und Macht. Antwerpen beispielsweise nahm Handelsbeziehungen zu Portugal und England auf und löste Brügge als westliche Handelsmetropole ab. Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt führte zu einem Bevölkerungswachstum, bei dem sich die Einwohnerzahl in wenigen Jahrzehnten mehr als verdoppelte. So zählte Antwerpen Mitte des 15. Jahrhunderts 50.000 Einwohner. Einige Städte am Atlantik, wie etwa Sevilla und Cádiz, Lissabon und Bordeaux, profitierten ebenfalls vom Bedeutungsverlust der vormaligen urbanen Zentren und erlebten einen rasanten Aufschwung der Wirtschaft, die mit einem hohen Anstieg der Bevölkerungszahl einherging.

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