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Die geistlichen Ritterorden

1120 wurde der Tempelritterorden als erster geistlicher Ritterorden infolge des ersten Kreuzzugs in Jerusalem gegründet. Die Mitglieder dieses Ordens nannten sich selbst „pauperes commilitones Christi templique salomonici“ (arme Kampfgefährten Christi und des salomonischen Tempels). Die eigentliche Aufgabe der Templer in ihrer Gründungszeit bestand im Schutz von christlichen Pilgern, die Jerusalem besuchten. Kaufleute aus Amalfi hatten dort bereits 1080 das Johannes-Hospital gegründet, aus dem sich etwa 1130 der Orden der Johanniter entwickelte, die auch Hospitaliter genannt wurden.

Festlegung verbindlicher Ordensregel

Die Gemeinschaft der Templer legte eine verbindliche Ordensregel fest. Die römische Kirche erkannte diese 1129 auf dem Konzil in Troyes durch einen päpstlichen Abgesandten an. Der bedeutende Kleriker Bernhard von Clairvaux, selbst Teilnehmer des Konzils und aktiver Förderer der Idee der geistlichen Ritterorden, erklärte die Stellung der Mitglieder in seiner Schrift „De laude novae militiae“. So stufte er die Mitgliedschaft in einem Orden als eine ideale Verbindung von Ritter- und Mönchtum ein.

Ablegung eines Gelübdes

In der Regel gehörten den Orden drei verschiedene Gruppen Mitglieder an: die Ritter (milites), die dienenden Brüder (servientes) und die Kleriker (capellani). Die einzelnen Mitglieder legten das Gelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam ab und unterstellten sich somit dem Kirchenrecht. Die Orden zeigten sich straff hierarchisch-zentralistisch organisiert und geführt. Dies kam der Verwaltung und Nutzung des zum Teil nicht unerheblichen Vermögens zugute, das sie im Laufe der Zeit bildeten. Die Armut der einzelnen Mitglieder bestand trotz des Reichtums der Orden jedoch weiter fort.

Internationaler Aufbau der geistlichen Ritterorden

Einem Orden stand ein Großmeister oder Hochmeister vor mit Konvent und Generalkapitel, diesen folgten die Provinzen oder Balleien und die Priorate. Auf lokaler Ebene bildeten Kommenden und Häuser die wichtigsten Einheiten. Zahlreiche Privilegien bescherten den Orden einen großen Besitz und sorgten für deren Autonomie. Dieser Besitz, in der Regel Grund und Boden, konnte enorme Größe erreichen und war nicht an ein bestimmtes Territorium gebunden. Das heißt, dass die Orden keinem Staat gegenüber verpflichtet waren und ihr Aufbau internationale Züge zeigte, da jeder einzelne dieser Orden über Staatsgrenzen hinweg in vielen Ländern präsent war. Die angehäuften Reichtümer und die Verwicklung der Orden in Finanztransaktionen sorgten teilweise für heftige Kritik innerhalb der Kirche und bei den weltlichen Machthabern. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden zahlreiche dieser Orden, die sich über das gesamte christliche Europa verbreiteten.

Ritterorden als langlebigste Organisationen im Heiligen Land

Die Ritterorden gehörten zu den langlebigsten Institutionen im Heiligen Land. Mittels ihrer militärischen Macht, ihres Reichtums und politischen Einflusses bestimmten sie das Geschehen dort weit mehr als jede andere Organisation. Wirtschaftliche Interessen hatten bei der Entstehung der geistlichen Ritterorden zunächst keine Rolle gespielt, dies änderte sich jedoch im Verlauf der Zeit. So erwiesen sich beispielsweise ihre Präsenz im Heiligen Land und ihr Kampf gegen die Muslime als recht teures Unterfangen, das sie zum Teil durch Schenkungen reicher Mitglieder finanzierten. Ihre Haltung zum politischen Einfluss änderte sich ebenfalls. So betrieben die Orden später eine durchdachte Machtpolitik, um ihre Interessen durchsetzen zu können und ihr Fortbestehen zu sichern.

Spirituelle Gemeinschaft als wichtigster Faktor

Die Orden bildeten Gemeinschaften, die es in dieser Art zuvor nicht gegeben hatte. Ritterorden beziehungsweise Ritterschaften existierten zwar bereits vor der Gründung der geistlichen Ritterorden schon zeitweilig im Abendland, jedoch hatten die beiden Ordensformen wenig miteinander gemein. Als erste Ansprechpartner für eine Mitgliedschaft galten die Ritter, die als wichtigste Mitglieder eingestuft wurden und alle leitenden Positionen besetzen sollten. Die Orden prägte die Idee der spirituell ausgerichteten Gemeinschaft, die versuchte, dem Rittertum Antworten auf seine religiösen Fragen zu geben und das Streben der Ritter nach einem christlichen Leben zu fördern. Eine Ursache für die Entstehung der Orden lag also in dem Gedanken der christlicheren Lebensführung der als dekadent und brutal geltenden Ritter.

Karitatives Engagement, Pilgerschutz und Kampf

Die Idee der Spiritualität in der Gemeinschaft ließ die Ritter allerdings nicht zu der Welt entsagenden Mönchen werden. Wie die anderen Kreuzfahrer verstanden sich die Mitglieder der geistlichen Orden als Streiter Christi. Die Gründe für den Beitritt zu einem geistlichen Ritterorden gingen aber weit über die durchaus ähnlichen Motive für die Kreuznahme eines Kreuzfahrers hinaus. So gehörte der Dienst am Nächsten zu den wesentlichen Ideen, die die Orden verfolgten. Sie Juan Fernández de Heredia, Großmeister der Johanniterverbanden karitative Aufgaben mit dem Pilgerschutz und dem militärischen Kampf gegen Glaubensfeinde. Die meisten Kreuzfahrer kehrten nach Abschluss ihrer Pilgerfahrt zurück in ihre Heimat, die Orden blieben vor Ort. Ihnen oblag ein Großteil der Verteidigung der eroberten Gebiete. Sie bildeten in den Kreuzfahrerstaaten eine Art stehendes Heer mit teils mächtigen Burgen als Stützpunkte.

Zwei Typen geistlicher Ritterorden

Prinzipiell lassen sich zwei Typen von geistlichen Ritterorden unterscheiden. So gab es jene Gemeinschaften, die ursprünglich rein karitativ ausgerichtet waren und der Armen- und Krankenpflege dienten. Diese übernahmen erst im späteren Verlauf ihrer Existenz militärische Aufgaben. Zum anderen Typus gehörten die Orden, die sich von Beginn an dem bewaffneten Kampf gegen Glaubensfeinde widmeten.

Drei große Ritterorden im Heiligen Land

Die drei großen geistlichen Ritterorden der Templer, der Johanniter und der Deutschherren zeigten sich im Heiligen Land von bestimmender Bedeutung. Die Templer residierten auf dem Tempelberg in Jerusalem und die Johanniter saßen im Johannes-Hospital, das in der Nähe lag. Die Burg Montfort diente den Deutschherren als Zentrale. Diese in Palästina entstandenen Orden hatten ihre Hauptsitze direkt vor Ort, die der anderen im Heiligen Land präsenten Orden lagen jedoch im lateinischen Westen. So verfügten beispielsweise die spanischen Ritterorden ebenfalls über Niederlassungen im Heiligen Land. Nach dem Fall Jerusalems 1187 verlegten die Templer und Johanniter ihre Hauptquartiere nach Akkon. Als diese Stadt 1291 von den Muslimen eingenommen wurde, gingen die Besitzungen der Orden im Heiligen Land verloren, was diese schwer traf. Für alle drei in Palästina gegründeten Ritterorden zog dies eine Neuausrichtung nach sich. So erlangten ihre europäischen Dependancen nun eine besondere Bedeutung.

Blütezeit der Ritterorden im 13. und 14. Jahrhundert

Die Blütezeit der geistlichen Ritterorden währte etwa 200 Jahre, sie lag im 13. und 14. Jahrhundert. Diese dauerte an, solange ihr Handeln ihrer allgemeinen Mission entsprach. Als die Funktionsweise und das Ideal nicht mehr zeitgemäß waren, erfolgte entweder eine Anpassung oder die Auflösung des jeweiligen Ordens. Der Templerorden wurde gewaltsam zerschlagen. Die spanischen Orden fügten sich in staatliche Strukturen ein, wobei dies teilweise freiwillig, überwiegend aber unter Zwang geschah. Andere Orden gründeten eigene Staaten wie beispielsweise der Deutsche Orden, der nun in Preußen herrschte oder die Johanniter, die auf Rhodos residierten.

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