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Das Hochmittelalter

Der Begriff Hochmittelalter wird in der Geschichtswissenschaft in erster Linie mit dem christlich-lateinischen Europa verbunden. Auf die arabische Welt, das Byzantinische Reich und außereuropäische Gebiete lässt sich dieser Begriff gar nicht oder nur eingeschränkt anwenden. Bei der Abgrenzung zwischen dem Früh- und Hochmittelalter kam die Forschung in den einzelnen europäischen Ländern zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen, die sich unter dem Eindruck des jeweiligen nationalen Geschichtsverlaufs entwickelten. In Deutschland herrschte lange Zeit die Meinung vor, dass das Hochmittelalter mit der Entstehung des Deutschen Reichs Anfang des 10. Jahrhunderts begonnen hätte. Das Ende des Hochmittelalters wurde mit der Auflösung der Stauferherrschaft um 1250 gleichgesetzt.

Die Königsdynastien des Hochmittelalters

Im Ostfränkischen Reich hatte der Machtverlust der Könige das Erstarken der Stämme und somit einen Machtgewinn ihrer Anführer bewirkt. Diese einflussreichen Stammesführer, nun Grafen oder Herzöge, erwählten nach dem Hinscheiden des letzten karolingischen Herrschers mit dem Franken Konrad I. einen Verwandten Stammbaum der Liudolfinger (Ottonen)der Karolinger zum König (911 bis 918). Im Jahr 919 verhalfen die Sachsen und Franken Herzog Heinrich von Sachsen aus dem Adelsgeschlecht der Liudolfinger (diese werden nach der Kaiserkrönung auch Ottonen genannt) auf den Thron. Heinrich I. ließ die Stellung jener Stammesführer unangetastet, die ihn nicht gewählt hatten, bekämpfte aber den zum Gegenkönig ausgerufenen Arnulf von Bayern, bis dieser 921 Heinrichs Oberherrschaft anerkannte. Nach Heinrich I. erhielt Otto I. der Große 936 die Königswürde. 962 wurde er zum römischen Kaiser gekrönt. Ihm folgten die Könige Otto II. (973 bis 983) und Otto III. (983 bis 1002, römischer Kaiser ab 996), bis mit dem Tod Heinrichs II. (1002 bis 1024) die herrschende Dynastie erlosch, da sie keine männlichen Nachkommen hervorgebracht hatte. Nach den Liudolfingern ging die Königswürde im Jahr 1024 an die Salier über, die sie bis 1125 innehatten. Diesen folgten die Staufer, bis deren Geschlecht 1250 erlosch. Mehr über die Staufer..., mehr über die Salier...

Tiefgreifende Veränderungen ab etwa 1050

In der heutigen Forschung wird weniger Gewicht auf die dynastische Geschichte der deutschen Kaiserzeit gelegt. Man versucht vielmehr, das Hochmittelalter als gesamteuropäischen Zeitabschnitt zu sehen. Unter diesem Gesichtspunkt verschiebt sich die Epochengrenze vom Früh- zum Hochmittelalter etwa in die Mitte des 11. Jahrhunderts. Um 1050 setzte nämlich nahezu im gesamten Abendland ein tiefgreifender Wandlungsprozess ein. Er erfasste fast alle Lebensbereiche und führte zu einer Veränderung der mittelalterlichen Gesellschaft, die sich in neuen Lebens- und Bewusstseinsformen zeigte. Die soziale Entwicklung, in deren Folge neue Probleme auftraten, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Bevölkerungswachstum, Siedlungsverdichtung, Verstädterung und eine erhöhte Mobilität immer breiterer Gruppen der Gesellschaft stehen am Anfang eines Wandlungsprozesses.

Kennzeichen des Wandlungsprozesses

Der Wandlungsprozess wurde initiiert durch ein stetiges Bevölkerungswachstum, das sich im 12. und 13. Jahrhundert sehr stark beschleunigte und bis in das 14. Jahrhundert hinein anhielt. Um den erhöhten Nahrungsbedarf zu decken, der durch die gestiegene Bevölkerungszahl entstand, wendeten die Menschen neue Arbeits- und Anbaumethoden an wie beispielsweise neue Pflugtechniken oder die Dreifelderwirtschaft. Darüber hinaus wurden Anbauflächen durch Neusiedlung und Urbarmachung gewonnen. Vor allem im 12. und 13. Jahrhundert kam es zu einer großen Ausdehnung in Richtung Osteuropa. Hierdurch entwickelte sich eine wirtschaftliche Dynamik, die sich neben der Nahrungsproduktion auch auf Handel, Handwerk und Gewerbe sowie auf den technischen Fortschritt auswirkte und zu einem Aufschwung der Geldwirtschaft führte. Neue Handelsrouten wurden erschlossen und es entstand ein dichtes Netz von Märkten und Städten.

Schutz gegen Überfälle auf Reisen

Die räumliche Ausdehnung brachte aber auch Gefahren mit sich. Reisen gestalteten sich äußerst strapaziös. Die Straßen waren in der Regel nicht gut ausgebaut und Räuber bedrohten Besitz, Leib und Leben der Reisenden. Insbesondere die Waren der Händler galten als begehrtes Beutegut. Kaufleute schlossen sich daher zu Vereinigungen zusammen, die die Interessen ihrer Mitglieder vertraten. Gemeinsames Reisen bot erhöhte Sicherheit und die Kosten für bewaffneten Begleitschutz konnten auf viele Schultern verteilt werden. Aus einem solchen Zusammenschluss von Kaufleuten entwickelte sich im Laufe des 12. Jahrhunderts die Hanse. Eng mit der Geschichte der Hanse verbunden war im Ostsee- und später auch im Nordseeraum das Auftreten der sogenannten Vitalienbrüder, die die Meere als Seeräuber unsicher machten.

Horizontale und vertikale soziale Mobilität der Landbevölkerung

Der Wandlungsprozess wurde durch eine beeindruckende horizontale und vertikale soziale Mobilität der bislang unfreien Landbevölkerung forciert. Dieser gelang es im Rahmen der Neusiedlungsbewegung, durch Abwanderung in die entstehenden Städte oder durch sozialen Aufstieg in den Herrendienst (in Deutschland die Ministerialität) die archaischen Formen bodengebundener Abhängigkeit von der unmittelbaren Herrengewalt zu sprengen. Der sich aus Vasallen und auch aus Ministerialen ausbildende Ritterstand wurde zum Träger eines besonderen Standesethos und einer eigenen artifiziellen höfischen Kultur (Minne, höfische Literatur).

Einführung des mittelalterlichen Bürgerrechts

Mit der wachsenden Bevölkerungszahl ging die Notwendigkeit einher, Rechtssicherheit für die verschiedenen Lebensbereiche der Menschen zu schaffen, weil sich ihr Zusammenleben und Miteinander nun intensiver gestaltete. So entstanden und festigten sich Formen der politischen Organisation, die der staatlichen Grundordnung zuwiderliefen, da sie verändernd in die bestehenden gewohnten Verhältnisse eingriffen und so vermehrt zu Konflikten führten. Die Ausweitung des Handels, des Verkehrs und des Städtewesens sowie die Entwicklung eines bäuerlichen Rechtsstatus und das Entstehen des mittelalterlichen Bürgerrechts führten langfristig zu größerer Sicherheit für die beherrschte Bevölkerung, da die formalen Rechtsgarantien anstiegen. Als Kennzeichen jener Epoche in Europa kann der Wille gesehen werden, das Zusammenleben der Menschen und deren Beziehungen untereinander durch genauere rechtliche Definitionen friedlicher zu gestalten.

Die Stellung der Kirche

Die allgemeine Neuorientierung der Gesellschaft machte auch vor der Kirche nicht halt. Sie wurde von einer religiösen Erneuerungsbewegung erfasst, die die Befreiung der Kirche von weltlicher Herrschaft anstrebte und versuchte, sie aus den Verstrickungen in weltliche Angelegenheiten herauszuhalten. In dieser Kirchenreform wurde beispielsweise festgelegt, dass der Kauf von kirchlichen Ämtern zukünftig ebenso verboten werden sollte wie der Einfluss von Laien auf klerikale Belange. Des Weiteren gestand man dem Papst die uneingeschränkte Vorherrschaft innerhalb der christlichen Welt zu und führte das Zölibat ein, das die bis dahin durchaus üblichen Priesterehen unmöglich werden ließ. Der durch diese Bewegung ausgelöste Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser zerbrach die mittelalterlichen Ordnungsvorstellungen vom gleichberechtigten Nebeneinander der weltlichen und geistlichen Herrschaft. Der kirchliche Erneuerungsprozess leitete die sogenannte Renaissance des 12. Jahrhunderts ein. Diese gilt heute als große Blütezeit des europäischen Geisteslebens, die unter anderem die Theologie erneuerte und zu den ersten Universitätsgründungen in Paris und Bologna führte. Das Klosterleben erlebte ebenfalls einen enormen Aufschwung durch Orden wie etwa die Prämonstratenser und die Zisterzienser.

Verbesserte Bildung breiter Bevölkerungsschichten

Schulgründungen führten in der Folge zu einer verbesserten Bildung breiter Bevölkerungsschichten, sodass nunmehr nicht allein der Klerus des Lesens und Schreibens mächtig war. Als Schriftsprache stand nicht mehr ausschließlich Latein an oberster Stelle, sondern immer häufiger die jeweiligen Landessprachen. Literarische Werke fanden auch deshalb eine größere Verbreitung, weil sich deren Inhalte nicht mehr auf theologische Themen beschränkten. In der Malerei und Architektur begann das Zeitalter der Romanik, ab der Mitte des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Gotik von Paris aus über Europa.

Die Kreuzzüge

Im größten Teil Europas war die Christianisierung vollzogen. Es begann das Zeitalter der Kreuzzüge. Die Kreuzritter zogen zu einem in den Vorderen Orient zur „Befreiung“ des Heiligen Landes, zum anderen kämpften sie in der Reconquista gegen die Araber in Spanien und unternahmen später die Kreuzzüge gegen die Schlacht bei HastingsFinnen, Pruzzen und Litauer. In die Zeit der Kreuzzüge fällt auch die Gründung der Ritterorden, jener Mischform aus Mönchswesen und weltlichen Kämpfern. Mehr über die Kreuzzüge...

Machtverhältnisse im hochmittelalterlichen Europa

Die in der Normandie siedelnden Wikinger, die auch Normannen genannt wurden, setzten nach England über und begannen nach der siegreichen Schlacht von Hastings 1066 ganz England zu unterwerfen. Frankreich und England gewannen als Territorialstaaten im Laufe des Hochmittelalters zunehmend an Einfluss, während das römisch-deutsche Reich seine Vormachtstellung nach und nach einbüßte. Dieser Machtverlust begründete sich hauptsächlich durch die Schwächung der Salierherrschaft während des Investiturstreits, der als Auseinandersetzung zwischen weltlichem und kirchlichem Herrschaftsanspruch im Gang nach Canossa von Heinrich IV. gipfelte.

Übergang vom Hochmittelalter zum Spätmittelalter

Jene für das Hochmittelalter bezeichnende wirtschaftliche und demographische Wachstumsphase reichte bis in das zweite Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts, ehe sie durch katastrophale Missernten und Viehseuchen endete, die eine Agrarkrise hervorriefen. Dennoch sieht die Forschung nicht im Ende der Wachstumsphase den Übergang vom Hochmittelalter zum Spätmittelalter, sondern im Zusammenbruch der Herrschaft der Staufer in der Mitte des 13. Jahrhunderts (1250).

Zufälliges Mittelalterbild

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Sklavenmärkte gab es bereits in der römischen und griechischen Antike sowie im Altertum des Nahen Ostens. Menschenhandel wurde jedoch auch im Mittelalter betrieben.

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