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Beowulf

Beowulf lautet der Titel eines altenglischen Heldenepos, das in einer einzigen Handschrift überliefert ist, die etwa um das Jahr 1000 verfasst wurde und heute in der englischen Nationalbibliothek, der British Library, aufbewahrt wird. In dem Werk, das aus 3182 stabreimenden Langzeilen besteht, stehen zwei zeitlich weit auseinanderliegende Ereignisse aus dem Leben des namensgebenden Helden im Zentrum: der Beginn und das Ende seines ruhmreichen Wirkens.

Historisches Umfeld des Epos

Die Handlung des Epos wird seitens der Forschung im 5./6. Jahrhundert angesiedelt sowie in Dänemark und Schweden verortet. Es ist zu vermuten, dass der Stoff mit der angelsächsischen Besiedlung im 5. Jahrhundert nach England gelangte. Das nordgermanische Volk der Geatas, dem Beowulf angehören soll, wird Beowulf kämpft gegen Drachenvon der heutigen Forschung mit den Gauten gleichgesetzt, die wahrscheinlich in Südschweden beheimatet waren. Ältere Identifizierungsversuche ordnen die Geatas den Jüten oder Goten zu. Eine tatsächliche Existenz Beowulfs ist fraglich, da sie historisch in keiner Form belegbar ist.

Entstehung des Epos

Die heutige Forschung geht davon aus, dass der Beowulf von Anfang an als schriftliches Werk konzipiert war. Eine mündliche Entstehung und Verbreitung scheint ob des komplizierten Aufbaus der Handlung ausgeschlossen. Der Verfasser der Handschrift hat der von ihm geschilderten Welt zwar eine christianisierte Form verliehen, zugleich bleibt der heidnische Charakter der Erzählstoffe und der Motive jedoch erhalten. Der Sagenstoff wurde mit den Stilmitteln des germanischen Heldenliedes und wahrscheinlich in Kenntnis lateinischer Vorbilder gestaltet. Es wird vermutet, dass der Verfasser ein Geistlicher war, der sowohl in der antik-christlichen als auch der altenglisch-germanischen Dichttradition bewandert war. Bezüglich der Entstehung des Textes werden verschiedene Zeiträume diskutiert, die vom 7. bis zum 11. Jahrhundert reichen. Als wahrscheinlichster Zeitpunkt für die Abfassung des Werks gilt das 8. Jahrhundert, da die Wikingerüberfälle im Jahre 793 begannen und es mehr als fraglich ist, ob das englische Volk angesichts dieser Bedrohung einen skandinavischen Stoff begrüßt hätte. Die Sprache des Epos ist das mit Elementen angelsächsischer Dialekte versehene Spätwestsächsische.

Einzigartige Bedeutung des Epos

Das Werk ist das älteste, nahezu vollständig überlieferte westgermanische Heldenepos und gilt heute als das bedeutendste Literaturdenkmal der altenglisch-germanischen Völker des Frühmittelalters. Der Beowulf ist der einzige überkommene Text, der in der Volkssprache alltägliche Stoffe aus der germanischen Völkerwanderungszeit darlegt. In der literarischen Form des Epos sind aus dieser Zeit ansonsten nur Stoffe bekannt, die christlich-religiöse Traditionen und Inhalte behandeln. Im Beowulf vermischen sich dagegen heidnische und christliche Elemente. Eindringliche Schilderungen der germanischen Schicksals- und Fabelwelt und moralisierende Hinweise auf den allmächtigen christlichen Gott stehen nebeneinander. So wird der Troll Grendel etwa als Nachkomme des Brudermörders Kain beschrieben. Im Mittelpunkt der Dichtung steht jedoch die aristokratische Welt des Kampfes und der Bewährung sowie die Verherrlichung der im germanischen Gefolgschaftswesen verwurzelten Heldentugenden wie Mut und Tapferkeit, Treue und Ehre. Dabei zeigt sich die Wertschätzung der Kämpfer für ihren Einsatz darin, dass sie mit Titeln, Grundbesitz und besonderen Waffen belohnt werden. Der König gilt in dieser Sichtweise nicht nur als Herrscher, sondern vor allem als Beschützer des Landes und als oberster Kämpfer. Neben den Primärtugenden der Helden zählen Großmut und Milde zu den Eigenschaften, die den sämtlich überhöht gezeichneten Figuren zu eigen sind. Das Epos bildet zudem den in der germanisch-nordischen Kriegertradition tief verwurzelten Glauben ab, dass das Leben des Individuums durch ein übermächtiges Schicksal gelenkt wird. Ein Kampf, wie etwa der des Beowulf gegen Grendel, wird vom Protagonisten so gesehen, dass nicht er selbst, sondern das Schicksal diesen Kampf entscheiden wird.

Überschneidung zwischen fiktiver Handlung und realen Ereignissen

Der eigentliche Handlungskern wird durch Rückblenden und Vorausweisungen, Andeutungen und Abschweifungen erweitert, die teilweise von den dramatischen Figuren ausgesprochen werden. Auf diese Weise wird ein komplexes Gebilde aus sich gegenseitig erläuternden und erweiternden Informationen gewoben. Während die Handlung vordergründig lediglich aus zwei zeitlich weit auseinanderliegenden Abenteuern des Protagonisten zu bestehen scheint, wird mittels dieser zugleich die Vita des Beowulf dargelegt. Teils fiktiv, teils eingebettet in einen historischen Zusammenhang schildert das Werk die Geschichte der Schweden, Dänen und Gauten. Als Beispiel sei hier die Bedrohung der Gauten durch die Schweden genannt. In nicht chronologischer Reihenfolge werden die unterschiedlichen schwedischen Kriege beschrieben, deren Verlauf rekapituliert und in die eigentliche Handlung einbezogen wird. Die im Epos genannten schwedischen Herrschernamen scheinen auf tatsächlich existierende historische Personen hinzudeuten.

Häufung von Verweisen auf andere literarische Werke

Der Beowulfstoff gehört zwar nicht zu den weitverbreiteten Geschichten der germanischen Sagenwelt und zeigt nur in einzelnen Motiven der Handlung Parallelen zu älteren Werken, dennoch wird die Inspiration durch die dort behandelten Themenfelder deutlich. So trägt Beowulf beispielsweise eine von Weland geschmiedete Rüstung, der sowohl in der Edda als auch in der Volundarkvitha unter dem ähnlichen Namen Wieland als Rüstungsschmied benannt wird. Des Weiteren findet sich in einem Lied, in dem Beowulfs Triumph über Grendel besungen wird, ein als Ehrung angelegter Hinweis auf den Drachentöter Sigemund der Völsunga Saga. Eine ausführliche Episode handelt vom Kampf um die friesische Königshalle Finnsburg und bildet inhaltlich eine Ergänzung und Fortführung der altenglischen Finnsburg Fragmente (Finnsburglied). Darüber hinaus finden sich zahlreiche Verweise auf weitere Sagen.

Erster Teil des Epos: Beowulfs Triumph über zwei Trolle

Der Dänenkönig Hrothgar hat die prunkvolle Halle Heorot erbaut, die zu seinem Leidwesen nachts von einem Troll namens Grendel heimgesucht wird, der als Menschenfresser gefürchtet ist. Der junge Beowulf, Neffe des Königs Hygelac vom Volk der Geatas, erfährt von der Notlage Hrothgars, reist mit vierzehn Gefährten nach Dänemark und bietet dem hochbetagten Herrscher seine Hilfe an. In der folgenden Nacht kommt es zum Ringkampf zwischen Beowulf und Grendel, in dessen Verlauf der mit übermenschlichen Kräften ausgestattete Held dem Dämon einen Arm ausreißt. Dieser flieht tödlich verwundet, hinterlässt jedoch eine Blutspur, die zu seinem Versteck in einem Sumpfsee führt, wo sein Leichnam entdeckt wird. Hrothgar beschenkt Beowulf nun reich und lässt ihn als Sieger über das Ungeheuer feiern. Doch bereits in der nächsten Nacht erscheint Grendels Mutter, die Vergeltung für den Tod ihres Sohnes sucht und sich ein Opfer holt. Von Hrothgar um Hilfe gebeten, begibt sich Beowulf in die Tiefen des unheimlichen Gewässers, gelangt in eine Höhle, findet die dort lebende Unholdin vor und tritt Wiglaf spricht mit dem tödlich verwundeten Beowulfgegen sie an. Seine eigene Waffe versagt jedoch. Er sieht das Schwert eines Riesen, das dieser in der Höhle zurückgelassen hat, nimmt es an sich und erschlägt Grendels Mutter nach heftigem Kampf. Beowulf kehrt somit als Sieger an den Hof des Dänenkönigs zurück, wird erneut als Held gefeiert und wiederum mit Geschenken belohnt. Er reist nun zu seinem Onkel Hygelac und berichtet dort von seinen Erlebnissen. Die Geschenke des Königs überlässt er großzügig seinem Onkel und wird im Gegenzug von diesem in den Rang eines Fürsten erhoben sowie mit Besitz ausgestattet.

Zweiter Teil des Epos: Beowulf als weiser Herrscher

Der zweite Teil des Epos beginnt mit einem zeitraffenden Element, das einen Zeitsprung von etwa fünf Jahrzehnten beinhaltet. Beowulf ist nun selbst König der Geatas und reflektiert, wie er sich fünfzig Winter lang als hervorragender Herrscher erwiesen hat. Doch die Retrospektive auf sein Wirken als Herrscher wird getrübt durch den Umstand, dass er sich und sein Volk jetzt von einem feuerspeienden Drachen bedroht sieht. Dieser fühlte sich gestört, während er seinen Hort bewachte, und verheert nun das Land. Noch einmal versammelt der greise Recke seine Gefährten, greift zu den Waffen und ist bereit, den Kampf gegen den rasenden Lindwurm aufzunehmen. Als die Männer ihn aufgespürt haben und der Angriff beginnt, steht Beowulf allerdings nur sein junger Verwandter Wiglaf zur Seite. Es gelingt ihm dennoch, den Drachen zu töten und dessen Hort für sich und sein Volk zu erbeuten. Trotz heldenhaften Kampfes mit dem Ungeheuer stirbt Beowulf jedoch an den Folgen der Verletzungen, die der Drache ihm zugefügt hat. Das Epos klingt mit der Trauer um den Helden und düsteren Zukunftsvisionen aus, die den baldigen Untergang der Gauten andeuten.

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