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Die Merowinger

Die Merowinger waren ein Königsgeschlecht der salischen Franken. Ihre ersten Repräsentanten traten mit den Königen Chlodio um 425 und dem namensgebenden Merowech um 450 in Erscheinung. Möglicherweise sind aber auch die fränkischen Heerführer Merobaudes (gestorben 383) und der fränkische König Merogaisus (gestorben 306) als frühe Vorfahren der Merowinger anzusehen.

Die ersten Merowinger

Die ersten Merowinger waren Kleinkönige. Der Aufstieg vom Kleinkönigtum zum Großreich der Franken vollzog sich im 5. Jahrhundert als Prozess innerhalb des Römischen Reichs. Dieser Prozess war verbunden mit vier fränkischen Königen: Chararich (Hauptsitz unbekannt), Sigibert in Köln, Merowechs Sohn Childerich I. in Tournai und Ragnachar in Cambrai. Diese Könige standen im Range eines römischen Generals, waren gleichzeitig die Oberbefehlshaber in ihren eigenen Militärdistrikten und von Rom anerkannte Könige von Verbündeten. So kämpfte beispielsweise Childerich I. als römischer Verbündeter gegen die Westgoten. Diese Militärbefehlshaber, die auch Militäraristokraten genannt wurden, sahen sich als Rivalen. Ihr Verhältnis war geprägt durch Machtkämpfe zwecks Ausweitung des eigenen Territoriums.

Chlodwig I.

Chlodwig I. trat als 16-jähriger das Erbe seines Vater Childerich I. in Tournai an und beendete während seiner Regentschaft die spätrömische Herrschaft in Gallien. Durch eine geschickte Politik (Heiratspolitik, eigene Erbschaftsansprüche, Kriege gegen die Verwandtschaft) eignete sich Chlodwig nach und nach die Herrschaft über die vielen fränkischen Kleinkönigreiche in Nordgallien an. Durch Feldzüge gegen das Reich der Westgoten, gegen das Reich des letzten römischen Herrschers Syagrius und gegen das Reich der Alemannen erweiterte er seinen Herrschaftsbereich um Teile Obergermaniens und Innergalliens und sicherte sich schließlich die Alleinherrschaft über das Die Taufe Chlodwigs I.Fränkische Reich. Die Annahme des Christentums gilt als eine der erfolgreichsten Taten Chlodwigs, konnte er doch auf diese Weise religiös bedingte Auseinandersetzungen zwischen der christlich geprägten Bevölkerungsmehrheit und den Franken vermeiden. Des Weiteren übernahm er Praktiken der spätantiken Verwaltung und versuchte außerdem, Teile der gallo-römischen Kultur am Leben zu erhalten.

Chlodwigs I. Tod und Teilung des Reichs

Der Tod Chlodwigs I. im Jahre 511 führte zur Teilung des Reichs, die entsprechend der fränkischen Sitte unter den männlichen Nachkommen erfolgte. So erhielten seine Söhne Childebert, Chlodomer, Chlothar und Theuderich etwa vier gleich große Reiche. Die einzelnen Hauptstädte Reims, Orleans, Paris und Soisson waren nahe zusammenliegende römische Städte und gallische Bischofssitze. Dieser Umstand und die Bedingungen der Teilung lassen erkennen, dass es sich hier nicht um vier territorial voneinander getrennte Staaten handelte, sondern um Verwaltungsbezirke eines gemeinsam regierten Landes. Laut den Annalen des Gregor von Tours waren sich die vier Brüder einander in herzlicher Abneigung zugetan. Hinterlist, Intrigen, Verrat und Mord sollen ihr Verhältnis geprägt haben.

Erfolgreich nach außen: ausgedehnte Territorialerweiterung

Trotz aller Fehden agierten die Brüder nach außen hin ausgesprochen erfolgreich. So wurde das Reich der Thüringer dem Frankenreich 531 hinzugefügt. Nach mehreren Überfällen wurde das Reich der Burgunden 532 eliminiert. 533 fielen weite Teile des Ostgotenreichs an die Franken. Das Frankenreich breitete sich sukzessive weiter aus. Ab Mitte des 5. Jahrhunderts war die territoriale Einheit der ehemals römischen Provinzen Germanien und Gallien unter fränkischer Herrschaft wiederhergestellt. In der folgenden Zeit richteten die Franken ihre Begehrlichkeiten auf Norditalien.

Tiefe Krise nach Chlothars Tod

Da seine drei verstorbenen Brüder keine Nachkommen hinterließen, fielen deren Reiche im Jahre 558 unter die Herrschaft Chlothars. Bis zu seinem Tod im Jahre 561 blieb das nun gebildete Reich vereint. Die anschließende Reichsteilung unter seine vier Söhne leitete den Beginn einer tiefen Krise ein. So führten Fehden innerhalb der Königsfamilie zu Bürgerkriegen, die die Dynastie bedrohten. In der Folgezeit gelang die Restauration des Königtums einhergehend mit einem tiefgehenden Wandel: Es entstanden die drei Teilreiche Neustrien, Burgund und Austrien.

Chlothar II.: Höhepunkt der Merowingerdynastie

Dem neustrischen König Chlothar II. gelang es 613 mit Burgund und Austrien das gesamte Reich unter seine Herrschaft zu bringen. Allerdings musste er dafür den ihn unterstützenden fränkischen Adel im Edictum Chlotarii weitgehende Zugeständnisse machen. In seiner Bedeutung wird dieses Edikt heute häufig mit der Magna Charta verglichen. Chlothar II. etablierte seinen Sohn Dagobert I. im Jahre 623 als seinen Nachfolger. Er gilt allgemein als der letzte mächtige Herrscher der Merowinger. Unter der Ägide Chlothars II. und Dagoberts I. erfolgte eine weitgehende Reorganisation des Reichs. Diese Zeit ist als der eigentliche Höhepunkt der Merowingerdynastie anzusehen.

Dagoberts Tod und Zerfall des merowingischen Königsgeschlechts

Dagobert hinterließ das Reich seinen beiden Söhnen Sigibert und Chlodwig. Die beiden Brüder strebten jedoch nach mehr Macht, als ihnen die Herrschaft über die beiden Teilreiche Neustrien und Burgund/Austrien bot. So kam es zu Konflikten zwischen den beiden Brüdern, die letztlich zum Zerfall des merowingischen Königsgeschlechts führten. Es folgten mehrere schwache Herrscher. Diesen Umstand wussten die aus dem Adelsgeschlecht der Pippiniden stammenden Hausmeier zu nutzen: Die Könige waren nur noch formal die Herrscher und gerieten in die Abhängigkeit von ihren Hausmeiern. Dieser Machtzuwachs führte im Jahr 656 zum Umsturzversuch des Hausmeiers Grimoald. Dieser Sohn Pippins des Älteren versuchte, seinen eigenen Sohn anstelle des eigentlichen Thronfolgers zum König zu erheben. Andere mächtige Adelsfamilien verhinderten dieses Vorhaben. Es dauerte noch bis zum Jahre 751, ehe der Merowingerkönig Childerich III. von Pippin dem Jüngeren abgesetzt wurde. Die Merowinger mussten dem Thron nun endgültig entsagen und ihre Herrschaft aufgeben.

Die Legitimation der Dynastie der Merowinger als Herrschergeschlecht

Die Legitimation des Herrschaftsanspruchs der Merowinger ist in der Forschung nicht eindeutig geklärt. Einige Quellen weisen auf ein archaisches Sakralkönigtum hin: Der Königsmythos zeigte sich in der Vorstellung einer göttlichen Abstammung des Königs und in Verbindung mit dem altnordischen Fruchtbarkeitsgott Fro/Freyr. Eine andere Version behauptet die Abstammung der Franken von den Trojanern. Einige Forscher vertreten die These, das Königtum habe sich etwa zur Herrschaftszeit Childerich I. zum Heerkönigtum hin entwickelt. Seit einiger Zeit hat die Idee, Childerich I. sei in erster Linie als Anführer römischer Söldner zu betrachten, an Popularität gewonnen. Childerich habe sich aufgrund seiner Fähigkeiten emporgearbeitet und so seine Herrscherposition erreicht. Eine altverwurzelte Herrschaftsfamilie der Merowinger habe es so wohl nicht gegeben. Als eigentlicher Begründer der Dynastie und des merowingischen Reichs gilt Chlodwig I. Die Herrschaft der Merowinger war, wie der Putschversuch von Grimoalds 656 zeigt, doch tiefer verwurzelt und galt vielen als nicht antastbar. Den aus den Geschlechtern der Arnulfinger und der Pippiniden erwachsenden Karolingern fehlte das Recht zur Herrschaft. So benötigten sie noch weitere 100 Jahre, um sich diese Legitimation aufzubauen.

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