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Ostern im Mittelalter

In der Antike war der Höhepunkt des christlichen Kultes der Urkirche die wöchentliche, am Sonntag stattfindende Eucharistiefeier. Ostern war hier zunächst kein eigenes Jahresfest. Es setzte sich erst sukzessive als Erlösungsgedächtnisfest durch, bei dem der Durchgang Christi vom Tod zur Auferstehung gefeiert wurde. Ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung Osterns im Urchristentum zeigt sich in Dokumenten, in denen die Auseinandersetzung um die Festlegung des Datums mittels der Osterfestberechnung schriftlich fixiert wurde. Bereits im Frühmittelalter war Ostern das wichtigste christliche Fest und galt als Hauptfest und Zentrum des Kirchenjahres. Mit dem österlichen Triduum Sacrum wurden die heiligen drei Tage des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesu begangen. Der Osterzeit ging die Quadragesima voraus, die 40 Tage umfasste und durch Buße und Fasten gekennzeichnet war. Nach Ostern wurde mit der Pentekoste eine 50 Tage währende Festzeit begangen. Am vierzigsten Tag innerhalb dieses Zeitraums wurde Christi Himmelfahrt gefeiert, der Höhenpunkt zeigte sich schließlich im Pfingstfest.

Karwoche

Die Bedeutung Osterns und auch der Karwoche lässt sich auch daran ablesen, dass bis ins 9. Jahrhundert für diese Zeit eine insgesamt zweiwöchige Arbeitsruhe galt, die danach verkürzt wurde und nun am Mittwoch nach Ostern endete, da große Bereiche des Wirtschaftslebens ansonsten zum Erliegen kamen. Mit der Karwoche wurde die letzte Albrecht Altdorfer - Die Auferstehung ChristiWoche vor Ostern, die Leidenswoche Christi, begangen. Das mittelhochdeutsche Wort „Kar“ bedeutet Trauer, Klage oder Wehklage. Nicht nur der Freitag wurde mit „Kar“ zum Karfreitag verbunden, auch die übrigen Tage der Woche erhielten – abgesehen vom Ostersonntag – den Zusatz „Kar“. Der Donnerstag wurde zusätzlich auch als Gründonnerstag bezeichnet.

Nachtwachen

Die Nachtwachen – die Vigilien – spielten eine bedeutsame Rolle bei den Osterfeierlichkeiten. Insbesondere die Nachtwache, in der das Warten auf die Wiederkunft des Herrn zelebriert wurde, hatte einen hohen Stellenwert innerhalb der Liturgie. Die wichtigste aller Vigilien war die am Samstagabend beginnende und am Ostermorgen endende Nachtwache. Sie verlor jedoch ihren konstitutiven Charakter, wurde drastisch verkürzt und verkümmerte allmählich zu einer kurzen Vorfeier Osterns am Morgen des Samstags. Die ursprünglich abgehaltene Nachtwache wurde dann durch eine Auferstehungsfeier ersetzt, die am Abend des Karsamstags oder am Ostermorgen stattfand.

Liturgie der Vigilien

Die Vigilien umfassten insgesamt vier Elemente. Die erste Vigil war die Lichtfeier, in der die Osterkerzen geweiht wurden. Seit dem 10. Jahrhundert wuchs dem Ritus zusätzlich die Bedeutung einer Feuerweihe zu. Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Osterkerze mit Kreuzzeichen geschmückt und mit fünf Weihrauchkörnern versehen. Die zweite Vigil wurde hauptsächlich als Wortgottesdienst mit vier bis zwölf Lesungen aus dem Alten und zwei aus dem Neuen Testament gehalten. Dieser Gottesdienst wurde nach dem Grundschema Lesung, Gesang und Gebet gestaltet. Die dritte Vigil war die Tauffeier mit vorheriger Weihe des Taufwassers. Ab dem 13. Jahrhundert tritt die eigentliche Initiation dieser Vigil jedoch immer mehr in den Hintergrund. In der vierten Vigil erfolgte die Segnung der Osterspeisen. Der Ostersonntag erhielt ein eigenes Messformular, das abwechselnd mit Lesungen von Abschnitten des Bibeltextes, der sich auf die Auferstehung Jesu bezieht und Gesängen gestaltet wurde. Als Abschluss der Ostermesse wurde am Nachmittag die Ostervesper abgehalten, mit der das Fest endete.

Ostertropus und szenische Darstellung

Innerhalb der Liturgie der Ostermesse war der Ostertropus ab dem 10. Jahrhundert fester Bestandteil der Feier. Basierend auf einer Auswahl der Evangelienberichte behandelte er über Frage und Antwort die Verkündigung der Auferstehungsbotschaft an die Frauen am Grab Jesu, die gekommen waren, um den Leichnam des Gekreuzigten zu salben. Aus der ursprünglich dialogischen Form des Tropus entwickelte sich Mitte des 10. Jahrhunderts die szenische Darstellung des Besuchs der Frauen am Grab, die „Visitatio sepulchri“. Drei weitere symbolische Handlungen kamen später hinzu. Am Karfreitag wurde nun auch die „Adoratio“ vollzogen, die Anbetung des Kreuzes. In der sich anschließenden „Depositio“ hüllten Diakone das Kreuz in ein Tuch und trugen es neben den Altar. Die „Elevatio“ schließlich, die eigentliche Auferstehungsfeier, fand unter Ausschluss der Gemeinde in aller Stille, noch vor der Ostermesse, statt.

Erweiterte Formen der Osterfeier

Diese Ausgestaltung der Osterfeier verbreitete sich sehr rasch in der gesamten Westkirche, ebenso wie zwei erweiterte Formen, die sich im Hochmittelalter ausbildeten. Eine war die Darstellung Maria Magdalenas Verkündigung der Auferstehung Jesu an die Jünger, die andere war die Erscheinungsszene, in der der Auferstandene selbst dargestellt wurde. Bis zum Ende des Spätmittelalters waren diese drei Formen mit regional unterschiedlichen Gewichtungen fester Bestandteil der Osterfeier. Auf dem Triester Konzil im Jahre 1545 wurde das Singen des Ostertropus sowie auch die szenische Darstellung verboten und aus der Liturgie entfernt.

Oster- und Passionsspiele

Die Oster- und Passionsspiele sind zwar im kirchlichen Kontext entstanden und entstammten der Liturgie der Osterfeier, sie bildeten jedoch bald einen festen Bestandteil der Festkultur des Volkes. So ist beispielsweise für Frankreich dokumentiert, dass die in der Regel mehrtägigen Passionsspiele hier einen Zeitraum von bis zu einem Monat einnahmen. Der Auszug der Oster- und Passionsspiele aus der Kirche in den öffentlichen Raum begann im 13. Jahrhundert. Zwar wurden sie noch von der Kirche finanziert, unter ihrer Leitung aufgeführt und mit Darstellern aus dem Klerus besetzt, sukzessive übernahmen jedoch die Städte und Zünfte die Rolle der Kirche. Im 15. Jahrhundert war die Gestaltung der Spiele fest in ihrer Hand.

Adaption der Oster- und Passionsspiele als Teil der Volkskultur

Die Darstellung der biblischen Gestalten wurde nun angesehenen Stadtbürgern übertragen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Spiele ihren klerikalen Charakter nahezu verloren und waren kaum mehr als ein ausschweifendes Volksfest. In zeitgenössischen Berichten, die Ende des Spätmittelalters verfasst worden sind, ist dokumentiert, dass wüste Trinkgelage und Prügeleien während der Spiele an der Tagesordnung waren. In Auxerre, wo die Passionsspiele traditionell auf dem Friedhof stattfanden, eskalierte die Lage dergestalt, dass gewalttätige Auseinandersetzungen bis hin zum Mord zu verzeichnen waren, sodass die Kirche sich veranlasst sah, den Friedhof anschließend zu entsühnen und neu einzusegnen. Ende des 15. Jahrhunderts häuften sich die Verbote, die die Kirche über die Spiele verhängte, doch erst Ende des 16. Jahrhunderts waren sie nahezu aus allen europäischen Städten verschwunden.

Österliches Brauchtum

Das vermeintlich hohe Alter bekannter Osterbräuche basiert auf mythologisierenden Deutungen, wie sie vor allem von der Romantik in Umlauf gebracht wurden. Quellenkritisch betrachtet blieb das österliche Brauchtum während des gesamten Mittelalters eng an die kirchlichen Riten gebunden. Zu diesen zählten die Palmsonntagsprozessionen, bei denen zum Teil hölzerne Palmesel zur bildhaften Veranschaulichung eingesetzt wurden. Des Weiteren wurden Trauermessen – die sogenannten Finstermetten – von Mittwoch bis Karfreitag abgehalten. Sie wurden zum Totengedächtnis Christi gefeiert und fanden im Dunkeln ohne Glockengeläut statt. Die Gläubigen klopften bei diesen Messen auf Holzbretter, die Ende des 15. Jahrhunderts durch Ratschen ersetzt wurden, da es beim Klopfen zur Entwicklung eines hohen Lärmpegels und daraus resultierenden tumultartigen Ausschreitungen kam.

Osteressen

Großer Wert wurde auf das österliche Festessen nach der ersten Messe gelegt, mit dem das Ende der Fastenzeit eingeläutet wurde. Eier und Fleisch durften nun wieder verzehrt werden. Dem Ei kam innerhalb des Brauchtums eine besondere Bedeutung zu. Ab dem 12. Jahrhundert wurde während der Ostersonntagsmesse die sogenannte Eierweihe vollzogen, mit der das Ei festlich in den Kreis der alltäglichen Nahrungsmittel zurückgeholt wurde. Eier und Eierspeisen dominierten vor allem den österlichen Speiseplan des 15. Jahrhunderts. Das segenspendende Element der Eierweihe führte dazu, dass den Eierschalen – insbesondere denen von Gründonnerstag gelegten Eiern – heilsbringende Eigenschaften zugewiesen und sie in diesem Sinne eingesetzt wurden.

Autor: Annette Wallbruch

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