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Die theologische Stellung der Frau

Das mittelalterliche Frauenbild wurde durch die Lehrmeinungen der Theologie und Philosophie verstärkt und gefestigt. Mit Verweis auf biblische Quellen folgerten die Theologen eine generell vorherrschende größere Sündhaftigkeit der Frau, aus der sie ihre vermeintliche charakterliche Schwäche und die vorgebliche geistige und moralische Überlegenheit des Mannes ableiteten. Als höchste Stufe der Vollkommenheit, die eine Frau erreichen konnte, galt die Jungfräulichkeit. Weibliche Heilige, deren Biografien ab dem 8. Jahrhundert in hagiografischen Schriften zusammengestellt wurden, waren nahezu ausnahmslos Jungfrauen.

Theologie, Philosophie und Hagiografie

Das mittelalterliche Frauenbild, das die Theologie propagierte, entsprach weitestgehend der herrschenden patriarchalischen Kultur, dennoch zweifelte das Christentum auch im Mittelalter nicht an der jenseitigen Erlösungsfähigkeit der Frau. Andere Weltreligionen und gnostische Sekten sahen dagegen nur den Mann als erlösungsfähig an und sprachen der Frau als höchstmögliche Stufe der Erlösung die Mannwerdung im Paradies zu. Gegen diese Diskriminierung der Frau in religiös-spiritueller Hinsicht entwickelte sich ein bemerkenswerter Widerstand seitens der Scholastik. Hier blieb das ursprüngliche Geschlecht auch im Jenseits erhalten und die Frau konnte als solche ins Paradies eingehen. Auf der Ebene der grundsätzlichen Zuordnungen zu den Geschlechtern fanden die Lehren der Gnostiker allerdings ihren Niederschlag. So wurde die Jungfrau als eine ihr eigenes Geschlecht übersteigende und dem Mann ähnliche Person angesehen. Gegen solche Vermännlichungsversuche der jungfräulich lebenden und dadurch der ehelichen Hierarchie entzogenen Frauen gab es innerhalb der Frauenmystik auch weibliche Stimmen, die anderer Meinung waren. So sprach beispielsweise Hildegard von Bingen gerade der Jungfrau den besonderen Glanz der Weiblichkeit zu und widersetzte sich damit der vorherrschenden Lehrmeinung.

Naturphilosophie, Anthropologie und Theologie

Darüber hinaus gab es mittelalterliche Theologen und Philosophen, die scheinbar nicht primär dem höher und niedriger einstufenden Hierarchieschema von Mann und Frau folgten. Sie bedienten sich jedoch auch eines wertenden Gegensatzes, um die beiden Geschlechter zu beschreiben. Nach dieser Auffassung wurde dem Mann grundsätzlich Stärke zugeordnet, der Frau hingegen naturhaft begründete Schwäche und lediglich gnadenhaft mögliche Stärke. Theologische und philosophische Abhandlungen, in denen die Frau positiv gesehen wurde, beruhten stets auf diesem Denkschema. Der Vorrang des Mannes vor der Frau beruhte im antik-mittelalterlichen Denken allein auf der physischen Basis der größeren Körperkraft, die mit der Zuschreibung höherer Geisteskräfte einherging. Naturphilosophisch und biologisch begründete Anschauungen wurden auf die anthropologische Ebene übertragen. Es herrschte der Glaube vor, charakterliche Merkmale ließen sich von der Grundlage der biologischen Gegebenheiten der Geschlechter ableiten. Viele der Schlüsse, die hier gezogen wurden, blieben zum Teil bis ins 19. Jahrhundert erhalten wie etwa die Annahme, dass die Frau unfähig sei, logisch zu denken und rational zu handeln.

Rückgriff auf Aristoteles’ Elementenlehre

Aristoteles schrieb dem Mann und dem männlichen Körper die beiden höher eingestuften Elemente Feuer und Luft zu, die gleichbedeutend mit Aktivität und Überlegenheit waren. Der Frau ordnete er die Elemente Erde und Wasser zu, woraus er ihre Passivität und Unterlegenheit ableitete. Er zog daraus den Schluss, dass die Abhängigkeit der Frau vom Mann größer sei als umgekehrt. Die Thesen des griechischen Philosophen führten im 12. Jahrhundert zur Lehre von der unvollkommeneren Elementenmischung im Leib der Frau, die in der Scholastik des Hochmittelalters zur Entwicklung eines bestimmten Schemas beim Geschlechterverhältnis führte. Nach dieser Auffassung wurde dem männlichen Samen bei der Zeugung das Formprinzip zugewiesen, dem weiblichen Uterus hingegen das materielle Prinzip. In diesem Sinne standen sich nun Mann und Frau als Geist und Materie gegenüber. Bei der Einstufung der Fähigkeiten und charakterlichen Merkmale wurde auch hier der Mann als stärker und die Frau als schwächer definiert. Aufgrund der ihr zugeschriebenen geringeren geistigen Fähigkeiten wurde ihnen auch das öffentliche Wirken untersagt. Obwohl das weibliche Prophetentum in der Bibel belegt ist, beharrte die Schultheologie darauf, dass Frauen die Ausübung eines prophetischen Amtes nur im privaten Rahmen zu gestatten sei.

Weiblicher Gegenentwurf zur Elementenlehre

Der weibliche Gegenentwurf, der wiederum in den Schriften Hildegard von Bingens besonders deutlich ausformuliert ist, besagte, dass das Geschlechterverhältnis komplementär zu sehen sei. Daraus folgte, dass sie eine Gegenseitigkeit bezüglich der Abhängigkeit von Mann und Frau propagierte. Auch von Bingen bezog sich dabei auf die Elementenlehre, die mit der Reihenfolge Feuer, Luft, Wasser, Erde operierte, wobei dem Feuer die größte Bedeutung zugesprochen wurde, der Erde die niedrigste. Sie nahm jedoch eine andere Einteilung vor. So ordnete sie dem Mann zwar das höchste Element Feuer zu, allerdings auch das niedrigste Element Erde. Der Frau wurden die beiden mittleren Elemente Luft und Wasser zugesprochen. Damit schuf die Äbtissin einen Ausgleich bei der Wertschätzung der Geschlechter. Diese Konzeption wurde von der zeitgenössischen Scholastik jedoch nicht rezipiert. Dass diese Elementenzuordnung durchaus dem Selbstverständnis der mittelalterlichen Frau entsprach, wird an Schriften deutlich, die von Frauen verfasst wurden wie beispielsweise die Frauenviten genannten Bücher der Ordensschwestern.

Thomas von Aquin: doppelte weibliche Unterordnung

Die zunehmende naturphilosophische Interpretation der Schöpfungs- und Heilsordnung hat das Verständnis der Frauen im Mittelalter nachhaltig bestimmt. Thomas von Aquin behauptete infolgedessen eine doppelte Unterordnung der Frau, die er in eine servile als Folge des Sündenfalls und eine natürliche differenzierte, die bereits zuvor herrschte. In dieser Theorie wurde die Frau dem Mann untergeordnet. Aufgrund der rationalen Überlegenheit des Mannes geschehe dies allerdings auf eine Weise, die für die Frau nicht leidvoll sei. Diese Ausführungen waren für die Frauen allerdings nicht folgenlos, da Unterordnung im Denken der Zeit gleichbedeutend war mit einer gewissen Gottesferne. Dass Gott die Menschen nach seinem Bildnis schuf, wurde zwar von den Kanzeln gepredigt, allerdings sah man die Frau weniger gottähnlich als den Mann. Diese Auffassung führte dazu, dass Weiblichkeit als ein Defekt der Natur gesehen wurde.

Konsequenzen der naturphilosophischen Theorie

Die theologischen Konsequenzen, die sich aus der Einschätzung der Frau als Mängelwesen ergaben, waren vielfältig. So wurde seitens des Kanonisten etwa diskutiert, ob die Minderwertigkeit der Frau mit der Übernahme eines Kirchenamtes zu vereinbaren sei. Zudem wurde die grundsätzliche Frage gestellt, ob ihre Unzulänglichkeit die Frau nicht auch daran hindere, das Weihesakrament zu empfangen. So stellte der Klerus infrage, ob bei der Ausführung einer Weihehandlung an einer Frau überhaupt eine Wirkung erreicht werden könne. Theoretisch untermauert wurde diese Diskussion mit dem Verweis auf die Statuslehre, in der die Kategorisierung von Grund- und Menschenrechten vorgenommen wird. Dem weiblichen Geschlecht wurde hier der Status subiectionis zugeordnet. Dieser Status galt als frei von Pflichten, aber auch von Rechten. Er war als passiver Status gekennzeichnet. Wer ihm angehörte, unterlag keiner bestimmten Rechtsordnung. Es war darüber hinaus unmöglich, aus diesem Status auf eine höhere Stufe zu gelangen. Die Konsequenz aus der Anwendung der Theorie in der Praxis zeigte sich beispielsweise darin, dass Frauen bis weit ins Hochmittelalter hinein als Personen angesehen wurden, die nicht gerichtsfähig waren. So hatte etwa der Mann für seine Frau vor Gericht einzustehen, da sie selbst als nur eingeschränkt geschäftsfähig galt.

Hagiografie: die Frau als Heilige

Die Kanonisierung und Wertung bestimmter Frauen als Heilige ist unter dem Vorzeichen der abwehrenden Haltung zu sehen, die das Christentum seit der Spätantike der Geschlechtlichkeit, insbesondere derjenigen der Frau, entgegengebracht hat. So baute die Einschätzung der Frau, wie auch die Konzeption weiblicher Heiligkeit, während des gesamten Mittelalters auf dem Gleichnis des Evangelisten Matthäus vom Sämann und der Ernte auf. Dieses besagt, dass der Samen, wenn er auf unfruchtbaren Boden falle, keine Frucht bringen könne. Werde er dagegen in fruchtbare Erde gesät, ergebe er die 100-, 60- oder 30-fache Fruchtanzahl. Die Gruppe der Jungfrauen, der Witwen und Ehefrauen wurde diesem Schema zugeordnet, wobei den Jungfrauen die höchste und den Ehefrauen die niedrigste Fruchtbarkeit zugesprochen wurde. Ein zweites, oft paralleles Deutungsschema benannte die drei Gruppen der Märtyrerinnen, Jungfrauen und Witwen. Hier wurde den Märtyrerinnen der höchste Stellenwert zugewiesen, die Jungrauen rangierten an zweiter, die Witwen an letzter Position. Jungfrauen und Witwen stellten zudem seit dem Frühmittelalter jeweils einen eigenen christlichen Stand dar, der als Gegenstück zu den männlichen Asketen und Mönchen zu sehen ist, da hier ebenfalls Gelöbnis und Weihe eine wesentliche Rolle spielten. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden die Märtyrerinnen gemeinsam mit der Jungfrau Maria zu einer Gruppe zusammengefasst. Seit dem 8. Jahrhundert stieg die Zahl der dokumentierten weiblichen Heiligen deutlich an und auch Biografien weiblicher Heiliger wurden nun in hagiografischen Schriften gesammelt. Ebenfalls in diese Zeit fallen die erstmaligen Nennungen weiblicher Heiliger in den Gebeten für den Herrscher. Zu den Schutzheiligen, die für die Königin regelmäßig angerufen wurden, zählten sie nun ebenfalls. Zu den verschiedenen Gruppen weiblicher Heiliger trat die Sonderform der Büßerin, die eine hohe Wertschätzung erfuhr. Alle weiteren Formen der weiblichen Heiligen wie etwa die heilige Königin oder heilige Äbtissin folgten ebenfalls der schematischen Zuordnung im Sinne des Fruchtgleichnisses mit der herausgehobenen Stellung der Jungfräulichkeit.

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Frauen, die über höhere Machtanteile als der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung verfügten, entstammten ausnahmslos der Oberschicht.

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